Wellengang - Waves

The photographic-poetic piece “Wellengang – Waves”, by Claudia Kölgen, at first glance leaves a simple and clear impression. Held together in a banderole of greenish yellow, or perhaps yellowish green, the work consist of two volumes, which in turn depict the dual composition of the booklet’s hues and Kölgen’s artistic approach.

Two methods of approaching memory are experimentally introduced in this work. First of all recorded memory – virtually indisputable – documented in the black and white photographs. Then the second textual volume leads us to a deeper level of memory. Here impressions and thoughts connect themselves together in a poetic manner, written in a language of a past lifetime which can be found and looked at with astonishment recorded in the photographs of the first volume. The words show up as if they were simultaneous reactions to the photographs, as if they were an answer to and reflection of the reappearing images of the past. At the same time the individually placed words on the page unfold like a story. The observer’s exploring eye glides over the entire surface of the page, as if to look at a photograph, as if to search for details of the given version of this bygone reality.

Word and image allow themselves to be seen as opposites in equal measure. The words are photographically distributed across the page and this results in a visual composition. The joined together and overlapping photographs in turn present themselves as interlaced sentences of a text; they flow like sentences of prose, they arrange themselves like a series of events within a story or a poem. Typical features recur: the sky, pathways, buildings. They can be understood as symbols of a bygone life in space and time.

The lack of people in the photographs further clarifies the abstract perception of memory. Visual memory connects itself with the dimension with the being in diverse areas of one’s environment. This is complemented by the poetry of the words, which, beside the abstract communication of the photographs, evoke an emotional, personal and human perception of the past within the present. Even the title “Wellengang – Waves” is a cross reference to the, emotional passage of life as well as its memory.

In this sense, Claudia Kölgen has created an intellectual and artistically sophisticated discourse of the potential of depicting memory in its linguistic, visual and emotional being.

Christina Schreiber


Wellengang - Waves

Das von Claudia Kölgen vorgelegte fotografisch-poetische Werk „Wellengang –Waves“ wirkt nach außen hin zunächst schlicht und klar. Zusammengehalten von einer Banderole in grünlichem Gelb resp. gelblichem Grün besteht die Arbeit aus zwei Bänden, die ihrerseits die duale Komposition des Farbtons und der künstlerischen Herangehensweise darstellen.

Zwei Annäherungsweisen an die Erinnerung werden in dieser Arbeit experimentell vorgestellt. Da ist zum einen die materiell festgehaltene Erinnerung – quasi beweishaft – dokumentiert in den schwarz-weiß Fotografien. Zum anderen führt uns der zweite Band als Textband auf eine weitere Ebene der Erinnerung. Hier verbinden sich die Empfindungen und Gedanken auf poetische Weise mit der vergangenen Lebenszeit, die man erstaunt in den fotografischen Dokumenten des ersten Bandes niedergelegt findet und betrachten kann. Die Wörter erscheinen als eine aktuelle Reaktion auf die Bilder, als eine Antwort und Reflexion auf die wieder aufscheinenden Bilder aus der Vergangenheit. Dabei entfalten sich die einzeln auf das Blatt gesetzten Wörter wie eine Geschichte. Das Auge des Betrachters gleitet forschend über die gesamte Fläche des Papiers, als würde er ein Foto anschauen, als suche er nach Details der dargestellten Version der vergangenen Realität.

Wort und Bild lassen sich gleichermaßen als Gegenseitiges wahrnehmen. Die Wörter sind fotografisch auf das Blatt verteilt und ergeben eine bildliche Komposition. Die ineinander und aneinander gefügten Fotos wiederum präsentieren sich wie ineinander verschränkte Sätze eines Textes, sie fließen wie die Sätze eines Prosatextes, sie reihen sich aneinander wie das fortlaufende Band einer Erzählung oder eines Gedichtes. Typische Merkmale wiederholen sich: der Himmel, Wegstrecken, Gebäude. Sie können als Symbole des vergangenen Lebens in Raum und Zeit aufgefasst werden.

Das Fehlen von Menschen auf den Fotos verdeutlicht die abstrakte Empfindung der Erinnerung. Die visuelle Erinnerung verbindet sich mit der Dimension des Raumes, der Existenz in verschiedenen Räumen der Lebenswelt. Sie wird ergänzt durch die Poesie der Worte, die neben der abstrakten Kommunikation der Bilder eine emotionale, personale und menschliche Empfindung der Vergangenheit in der Gegenwart evoziert. Auch die Titelgebung „Wellengang – Waves“ referiert auf die – emotionale - Bewegtheit des Lebens sowie die Erinnerung daran.

In diesem Sinne hat Claudia Kölgen eine künstlerisch anspruchsvolle und intellektuelle Auseinandersetzung zu den Möglichkeiten der Darstellung von Erinnerung in visueller, sprachlicher und emotionaler Hinsicht geschaffen.

Christina Schreiber